Obama rückt von seinem Schutzschild in Europa ab

Obama rückt von seinem Schutzschild in Europa ab

Neuer Beitragvon Hafel » Sa 19. Sep 2009, 01:07

Seit Obama an der Macht ist, ist der von seinem Vorgänger W. Bush geplante Raketenabfangplan nichts Ernsthaftes mehr zu erkennen. Der Kurswechsel war abzusehen. 2008, noch unter Bushs Führung, hatten Washington und Warschau trotz energischer Proteste Moskaus, einen Vertrag unterzeichnet, der die Stationierung von 10 Abfangraketen auf polnischen Territorium vorsah. In Tschechien sollte dabei eine Radarstation installiert werden, um iranische Raketen rechtzeitig zu identifizieren und abzufangen.
Mit dieser Entscheidung schwächt Obama bestehende Spannungen im amerikanisch-russischen Verhältnis ab. Er verhindert damit auch einen neuen Rüstungswettlauf und macht den Weg frei für Abrüstungsverhandlungen. Ein meines Ermessens sehr kluger Schritt.

Nach den Alleingängen der Bush-Regierung setzt nun Obama seine Versprechen in die Tat um, die Kritik seiner Freunde und Verbündete, aber auch die Ängste von Moskau ernst zu nehmen. Der geplante Raketenschild hatte in der Tat dazu geführt, dass Russland nach der NATO-Ost-Erweiterung weiter eingekreist werden würde. Dieser Strategie konnte Moskau nicht tatenlos zusehen. An einem weiteren Rüstungswettlauf kann niemand ernsthaft interessiert sein.

Um die Krisenherde dieser Welt, vor allem der Iran, braucht in der Zukunft Amerika auch Russland zur Eindämmung.

Mit dieser Entscheidung stößt Obama allerdings die Polnische Regierung vor den Kopf. In Polen war dieses Abwehrsystem vor allem als Symbol eines amerikanischen Engagement gegen den Erzfeind Russland verstanden worden. Obama wird nun einige Trostpflaster für die Polen verteilen müssen um ihren Schmerz wieder zu lindern.

Hans (Hafel)
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Re: Obama rückt von seinem Schutzschild in Europa ab

Neuer Beitragvon Donaldd » Sa 19. Sep 2009, 01:56

eine geschickte Entscheidung Obamas. Er entschärft damit den Konflikt mit Moskau in dieser Frage ohne das eigentlich Ziel einer Abwehr möglicher Iranischer Raketen aus dem Auge zu verlieren. Er verknüpft eine veränderte technische Entwicklung mit einem aussenpolitischen Schachzug.
Nun hat er allerdings den Polen ein Trostpflaster gespendet, dass in Moskau nun auch nicht entzückt:

Es werden ersatzweise andere Raketen in Polen stationiert. Da das ganze aber nicht die Qualität des ursprünglich geplanten Abwehrschildes hat, übrwiegt doch die positive Wirkung der Entscheidung.

Aussenpolitik ist eben auch wie Schach ohne Würfel.
DD
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Re: Obama rückt von seinem Schutzschild in Europa ab

Neuer Beitragvon Hafel » Sa 19. Sep 2009, 10:22

Nun höre ich heute Morgen in den Nachrichten, dass bei den Russen das Misstrauen überwiegt. Die Russen bleiben erst einmal skeptisch.

Vielleicht kommt ja doch noch ein positiver Dialog zwischen Medwedew und Obama zustande?

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Re: Obama rückt von seinem Schutzschild in Europa ab

Neuer Beitragvon adam » Sa 19. Sep 2009, 12:26

Die Russen können ja nicht so einfach von Ablehnung auf Begeisterung umschalten. Aber ich denke, daß der Weg für weitere Verhandlungen geebnet ist. Die nukleare Abrüstung muß ein Argument gegenüber Ländern wie dem Iran sein.

Und die Polen können aufhören verliebt in die USA zu gucken und damit die EU zu schwächen. Die Politik der Bush-Administration rückt wieder einen Schritt weiter weg.

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