der rio sao francisco

der rio sao francisco

Neuer Beitragvon Donaldd » Di 15. Sep 2009, 14:38

Ende 2008 erhilt ich auf eine anfrage an meinen bundestagsabgeordneten nach monaten eine lapidare Antwort:

Sehr geehrter Herr Thießen,

mit Herrn Steinmeier besetzt die SPD das Aussenresort. Daher meine Frage:

Was unternimmt die SPD-Fraktion in der Frage Umleitung des RIO SAO FRANCISCO (zweit größer Fluss in Brasilien). M.E. kann nur massiver internationaler Druck auf die brasilianischre Regierung bewirken, dass dieses menschenrechtswidrige Projekt
gekippt wird. Ist Biokraftstoff angesichts solcher Vorgänge überhaupt ernsthaft tragbar??

Mit freundlichen Grüssen

Antwort von Prof. Jörn Thießen 13.02.2009

Sehr geehrter Herr xxxxx !





Die sogenannte Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder hat ja auch ihre Grenzen. Vor allem in Fragen der Menschenrechte, wie auch des Umweltschutzes. Bisher haben wir uns mit der von Ihnen angesprochenen Frage des Rio Sao Francisco nicht ausreichend befasst und ich wäre Ihnen für weitere Informationen sehr dankbar. Biokraftstoffe können sinnvoll sein, aber ihre Energiebilanz ist fragwürdig und ihre Produktionsbedingungen in anderen Ländern oftmals ebenso. Wir müssen sehr viel größere Anstrengungen unternehmen, aus diesem Energiedilemma herauszukommen. Möge diese Krise wenigstens auf diesem Gebiet dazu beitragen und uns bald viel mehr Autos auf Hybrid-Basis bescheren.



Die brasilianische Regierung will den Rio Sao Francisco umleiten löste damit weltweit Proteste aus. Die Umleitung kommt in erster Linie dem Anbau von Soja und Zuckerrohr zugute, die natürliche Vegetation und der Lebensraum der ansässigen Bevölkerung würde dem Export und der Produktion von “Biokraftstoff” geopfert. Die Bevölkerung am Sao Francisco ist von Trinkwasserknappheit und Hunger bedroht, viele müssten ihren angestammten Lebensraum verlassen.
Nachdem der Bischof Luiz Cappio 2007 aus Protest in den Hungerstreik trat, wurde das Projekt zunächst gestoppt. Für sein Engagement erhielt Luiz Cappio am 8. Mai den Kant-Weltbürgerpreis 2009. Doch der internationale Protest ist offenbar bisher zu gering, um die Regierung Lula von der Fortsetzung der Umweltzerstörung im brasilianischen Regenwald abzuhalten.


Hier ein Schlaglicht der Entwicklung:



Solidaritätsbesuch von CPT und Welthaus & KOO aus Österreich in Cabobro, Pernambuco

27.8.08 Cabobro, Pernambuco, Brasilien, Welthaus-Reise August 2008 (Christoph Watz)

Kurz bevor wir – das Team der Welthaus Österreich Reise – im Nordosten Brasiliens in Bahia und Pernambuco mit der CPT das umstrittene Flussumleitungsprojekt des Rio Sao Francisco besuchen wollen, erhalten wir eine schockierende Nachricht: Ein Gemeinderatskandidat wurde letztes Wochenende erschossen! Am 23. August 2008, wurde Mozeni Araújo de Sá, 36 Jahre, brutal ermordet. Er war nicht nur aussichtsreicher Kandidat, sondern auch Führungspersönlichkeit des Indigenen Volkes TRUKA.

Wir besuchten die Familie des Ermordeten Indios und zuvor auch das militärische Sperrgebiet des umstrittenen Flussumleitungsprojektes am Rio Sao Francisco. Wir fanden es sehr zynisch, dass uns die Militärs wenige Tage nach einem Mord erklärten, dass „die Sicherheitssituation in der Region allein durch ihre Präsenz viel besser geworden sei“. Leider nicht für die Indianer, deren Land und Wasserwege durch das Megaprojekt zerstört werden. Mozeni Araújo de Sá ist tot, die Truka-Indianer und die vielen solidarischen Basisbewegungen sind schockiert und die meisten Medien schweigen den Vorfall tot.

Schon seit mehreren Jahren werden die Indios von Feinden bedroht, welche widerrechtlich das Indianergebiet für sich beanspruchen: Vor 3 Jahren, am 30. Juni 2005, stürmten vier in zivil gekleidete, bewaffnete Militärpolizisten das Lokal, wo gerade eine Volksversammlung der Truká stattgefunden hatte, und feuerten mit ihren Schusswaffen auf Adenilson dos Santos, 38, und seinen Sohn Jorge, 17 Jahre alt. Beide wurden getötet, ein weiterer Indigener verletzt. Der jetzt ermordete Mozeni war Augenzeuge dieses Vorfalls gewesen. Er konnte die Mörder identifizierten und erstattete mehrere Male Anzeige, doch die Täter leben bis heute auf freiem Fuß und wurden von der Justiz nicht zur Rechenschaft gezogen. Diese „juristische Immunität“, welche die Feinde der Indios scheinbar genießen, verschlimmert den Vorfall noch zusätzlich und vergrößert das Leid der Angehörigen und des gesamten indigenen Volkes.

In der letzten Woche am Tag vor dem Mord fand eine große Versammlung der Truka-Indianer statt, wo ein Buch über die Geschichte und den Widerstand des Volkes öffentlich präsentiert wurde und die Märtyrer des Befreiungskampfes eine besondere Ehrung erhalten.

Die guten Aussichten von Mozeni als Kandidat für die Gemeinderatswahlen im Oktober dürfte den Hass seiner Gegner noch zusätzlich geschürt haben.

Bei der Welthaus-Informationsreise besuchten Peter Mödritscher (Welthaus Klagenfurt), Christoph Watz (Welthaus – Katholische Aktion Wien) und Judith Zimmermann-Hössl (KOO, Bischofskonferenz Wien) die Truka-Indianer auf der Fluss-Insel Assuncao und drückten ihr Mitgefühl und Solidarität aus. Wir schließen uns der Forderung der Indianer an, dass eine Sonderkommission der Behörden die Hintergründe für diesen Mord restlos aufklären muss.

Im Militärsperrgebiet

Im Rahmen der Informationsreise besuchten wir wenige Kilometer von der Fluss-Insel auch die Erdarbeiten zur Flussumleitung im Sperrgebiet der Militärpolizei. Das Mega-Projekt wird von vielen sozialen Bewegungen Brasiliens aus sozialen, ökologischen und verfassungsrechtlichen Gründen abgelehnt.



Das Militär präsentierte uns das Projekt und wies auch mehrmals darauf hin, dass die Präsenz des Militärs auch mehr Sicherheit in die Region gebracht hätte. Wir hinterfragten gegenüber dem Militär diese Aussagen, wenn gerade wenige Tage zuvor ganz in der Nähe ein offensichtlich politisch motivierter Mord geschieht.

Christoph watz – 28.8.08, juazeiro – bahia
welthausmeisterin@gmail.com

Und die Weltpolitik hält sich raus.. so als ob die Regenwaldzerstörung und umweltzerstörende Grossprojekte keinerlei globale Auswirkungen haben und eine reine "Innere Angelegenheit" sind.

Billiger Öko-Sprit scheint da das wichtigere Argument zu sein.

DD
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Re: der rio sao francisco

Neuer Beitragvon angel » Di 15. Sep 2009, 16:18

Tja, dafür haben wir doch Günther Jauch und sein so genanntes Engagement in der Krombacher Bier Werbung ... saufen für den Regenwald und den nächsten Kasten am besten an der Tankstelle holen ...

Hier noch ein Link zu einem sehr interessanten Artikel bei heise, der die ganze Problematik noch einmal verdeutlicht und anschaulich macht..

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19347/1.html

und eindrucksvolle Bilder..wie es mal war und wie es heue aussieht ..

http://images.google.de/images?q=rio%20 ... =de&tab=wi
Staubsaugervertreter verkaufen Staubsauger,
Volksvertreter verkaufen........
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