Nach dem Beben ist vor dem Beben - Japan und die Folgen

Nach dem Beben ist vor dem Beben - Japan und die Folgen

Neuer Beitragvon angel » Mo 14. Mär 2011, 00:19

Das Szenario in Japan nach dem Erdbeben und nach den todbringenden, zerstörerischen Tsunami übertrifft wohl alles, was man sich so vorstellen kann und ist wohl doch auch anders, als man es gerade in Japan gedacht hätte - wo man doch vor allem die riesigen Städte mit den Hochhäusern vor Augen hat und nicht bedenkt, dass der größte Teil der Japaner in Einfamilienhäusern leichter Bauart lebt. Wie gross die Gesamtschäden sind und wie viele Opfer es gibt, wird man wohl erst in einigen Wochen mit Bestimmtheit sagen können - wirtschaftlich ist das Land ganz sicher am Boden.

Erinnert man sich an das große Erdbeben von Chile vor ziemlich genau einem Jahr: Da wackelte die Erde 2 Minuten bei einer Magnitude von 8,8, dem folgte eine Tsunamiwelle, die entlang der Küste viele Orte zerstörte. Die wichtigste Verbindungsstraße von Nord nach Süd, quasi das Rückgrat des Landes, war an vielen Stellen abgebrochen, Raffinerien mussten abgeschaltet werden, 6 Krankenhäuser wurden komplett zerstört, andere schwer beschädigt - es gab ca. 700 Opfer. In den 2 Minuten und den nachfolgenden Stunden der Tsunamiwelle entstand ein Schaden von 30 Milliarden Dollar , was ca 15 % des Bruttoinlandsproduktes in Chile bedeutete. Wie ungleich schwerer müssen da die Schäden jetzt in Japan sein - abgesehen von den hohen Verlusten an privatem Eigentum ... landwirtschaftliche Flächen, Wohnhäuser, Hab und Gut ...

Heute erhielt ich eine Email meiner Cousine aus Chile - sie und ihr Mann hatten ihr kleines Hotel in dem hübschen leinen Küste- und Badenort Dichato (knapp 3500 Ew) gerade wieder einigermaßen aufgebaut - der Ort wurde vor einem Jahr quasi völlig zerstört. Nun haben die Ausläufer der Tsunamiwelle Japans sie wieder erreicht, wieder ist der Ort schwer betroffen, wieder ist ihre kleine Existenz am Boden ... was schrieb sie? "aber damit leben wir hier ja - nach dem Beben ist immer vor dem Beben......" Man muss wohl in so einer Region aufgewachsen sein um das mit dem nötigen Fatalismus zu ertragen
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Re: Nach dem Beben ist vor dem Beben - Japan und die Folgen

Neuer Beitragvon Donaldd » Mo 14. Mär 2011, 03:07

was mich allerdings immer wieder verwundert ist, daß die Leute wieder da anfangen, wo die nächste katastrophe schon vorhersehbar ist.

Natürlich kanns dich überall erwischen... hast du Angst vor der Flut ziehst du ins Gebirge.. und schwupp kommt die Lawine. Grundsätzlich lebt die mesnchheit wo auch immer in einer Scheinsicherheit.
Die Zeiträume der Erdgeschichte sind andere als die der Menschheitsgeschichte. In der Erdgeschichte sind 100.000 Jahre ein nichts. Für die Menschheit sind 100.000 Jahre eine Ewigkeit. Darum ist jede Sicherheit eine Scheinsicherheit. Auch in Deutschland kann es plötzlich zu Vulkanismus und Erdbeben kommen. Alle paar hundertausendjahre gibts einen Supervulkan oder einen Asteroiden Einschlag...

Aber diese Erkentnisse sollte kein Fatalismus begründen soweit der Mensch in der Lage ist selbst produzierte Katastrophen zu vermeiden. Noch nie wurde bisher eine Technologie eingesetzt, die in der Lage ist, die Menschheit zu vernichten. Seit der Atomtechnik (Militärische eingeschlossen) ist das anders. Es ist m.E. blauäugig Wahrscheinlichkeitsabwägungen zuzulassen. Und genau das ist jetzt das Problem der Japaner: Denn alles was geschehen kann, geschieht auch irgend wann. Wer hätte dieses Szenario in Japan nicht vor dem realen Ereignis als Schreckensvision eines drittklassigen Hollywood-Katastrophenschinkens abgetan? Leute die, vor einem Beben Stärke 9 mit Tsunami und anschließender Kernschmelze gewarnt hätten, wären als Spinner verlacht worden....

DD
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Re: Nach dem Beben ist vor dem Beben - Japan und die Folgen

Neuer Beitragvon angel » Mo 14. Mär 2011, 09:48

nunja, ich meine hier mit Fatalismus nicht das religiöse, schicksalsbestimmte Denken, nach dem alles "Gott gewollt" und vorbestimmt sein soll - eher sind naturgegebene Vorgänge gemeint, die die Menschen nicht ändern können, so wenig wie die Jahreszeiten kann man Naturereignisse wie Erdbeben, Monsterwellen oder Vulkanausbrüche abstellen oder ändern. Menschen, die am Fusse eines Vulkans leben, haben viel weniger Angst vor einem Ausbruch als solche, die nur mal in den Urlaub hinfahren und so ist es auch mit Erdbeben. Wie sonst wären Städte wie Los Angeles, wo die U-Bahn durch einen natürlichen Teil der Andreasspalte führt oder San Francisco, das schon einige Male zusammengefallen ist, zu begreifen. Das meinte ich mit "positivem Fatalismus".
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