eleven nine - eine nachbetrachtung

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Neuer Beitragvon Donaldd » Sa 12. Sep 2009, 03:31

heute abend lief auf zdf-info die camcorder-Doku vom WTC -Attentat.

Meine Freundin konnte sich das erstemal überhaupt Bilder dazu ansehen. Sie kannte einige der Opfer, die im Turm ihr leben liessen. Noch immer sind die Bilder beklemmend. Ich werde das daher auch nicht weiter kommentieren.

Die Verschwörungstheoretiker und Propagandisten verhöhnen in meinen Augen die Opfer und ihre Angehörigen, wenn sie diese Ereignisse zum Vehikel ihrer Anti-Amerika Propaganda machen.
Scharfe Kritik und Ablehnung der Bush Politik, die ich 100% mittrage, sind kein Grund für derartige Abwegigkeiten. Jeder der die Bilder kennt, hat die Einschläge der Flugzeuge gesehen.
Wer natürlich auch die ersten wütenden Reaktionen hört, die im Angesicht der katastrophe von einigen Interwievten zu hören ware, dem wurde schon damals klar, dass diese Terroranschläge der Beginn einer unheilvollen Entwicklung sein mussten. Der Garant dafür war Bush. Allerdings mit mehrheitlicher Unterstützung durch die traumatisiete amerikanische Bevölkerung.

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Re: eleven nine - eine nachbetrachtung

Neuer Beitragvon angel » Sa 12. Sep 2009, 08:03

Mir geht es umgekehrt, ich war nicht in der Lage, mir die Bilder wieder anzusehen - zu unmittelbar, wenn auch "nur" live vor dem TV bei CNN und am Telefon , wo ich versuchte, meine Freunde in den USA zu erreichen. Nie werde ich die Menschen vergessen, die ich nicht kannte aber die ich hab sterben sehen, wie die Hände und Gesichter derer, die vom Heli aus gefilmt wurden und verzweifelt über der Einschlagstelle im Turm festsassen, nie die Menschen, die sich in die Tiefer stürzen liessen, nie den dumpfen Aufprall ihrer Körper, nie das Geräusch ... nie die entsetzten und ungläubigen Gesichter der Menschen auf den Strassen .. nie den Einschlag des zweiten Flugzeugs, nie das Zusammenfallen der Türme... nie die verzweifelte Nachricht per email einer Freundin, deren Sohn in den Flammen umkam - er war in einem Büro über der Einschlagstelle des 1. Turms. Er hatte die Mutter noch angerufen und sich verabschiedet und rief seine schwangere Frau danach an. Er bat sie ihm zu sagen, was es denn wird..ein Junge oder ein Mädchen..er wollte es eigentlich vor der Geburt nicht wissen aber sie wusste es ... er war so jung, so glücklich ... er arbeitete bei Cantor Fitzgerald und starb dort zusammen mit ca 350 anderen jüdischen Kollegen und 300 Kollegen anderen Glaubens. (Die New Yorker Filiale hatte ca 1000 Angestellte).So weit die schmutzigen Verleumdungen, dass "tausende von Juden an diesem Tag nicht zur Arbeit kamen und gewarnt waren" - für mich gehören solche Sprüche in die selbe Kathegorie wie die der Holocaustleugner.

Übrigens ... ca 15% der getöteten Menschen in den Türmen waren Juden und es wären tatsächlich erschreckend mehr geworden, wenn, ja wenn nicht so viele orthodoxe Juden unter den in den Türmen arbeitenden Menschen gewesen wären und die kamen erst eine Stunde später zur Arbeit, weil sie beim traditionellen Selichot-Gebet waren. Die Selichottage sind die Vorbereitungstage vor dem jüdischen Neujahrsfest ( Rosh HaShana), an denen spezielle Gebete zur Vergebung der Sünden gesprochen werden. Das Neujahrsfest war 2001 am 17 September ... und es gibt 10 Busstage davor an denen Selichot-Gebete gesprochen werden ... leider ist davon in den wilden Verschwörungstheorien mancher Mitmenschennichts zu lesen.
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Re: eleven nine - eine nachbetrachtung

Neuer Beitragvon Miriam » Sa 12. Sep 2009, 10:12

Donaldd hat geschrieben:Ich werde das daher auch nicht weiter kommentieren.

Die Verschwörungstheoretiker und Propagandisten verhöhnen in meinen Augen die Opfer und ihre Angehörigen, wenn sie diese Ereignisse zum Vehikel ihrer Anti-Amerika Propaganda machen.


Mir beweisen diese Zeilen nochmals, dass ich mich hier in dem für mich richtigen Diskussionsforum befinde. Wenn ich anderswo lese wie man sich theoretisch über die Welt und ihre Misstände unterhalten bzw. streiten kann anlässlich eines solchen Tages, wird es mir übel.

Angel, ich erinnere mich noch, dass man seinerzeit auch noch die Verschwörungstheorie lancierte, der Attentäter sei eigentlich der Mossad gewesen, der aber rechtzeitig für alle Juden einen Tagesausflug organisiert hätte - also gab es auch keine jüdischen Opfer.

Bis später

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Re: eleven nine - eine nachbetrachtung

Neuer Beitragvon Hafel » Sa 12. Sep 2009, 11:23

Ich kann es nicht fassen. Da schreibt doch eine Userin im ST, dass sie eine Schadenfreude am 11.09. emfunden hat. Mit was für Menschen haben wir es hier eigentlich im Netz zu tun????

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Re: eleven nine - eine nachbetrachtung

Neuer Beitragvon Donaldd » Sa 12. Sep 2009, 12:35

das habe ich auch gelesen...

und habe versucht mich in die damalige Situation hineinzuversetzen, als ich die life-Bilder sah...- oder auch an die Empfindungen des letzten Abends...
wirklich unglaublich und menschlich nicht nachvollziehbar.

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Re: eleven nine - eine nachbetrachtung

Neuer Beitragvon adam » Sa 12. Sep 2009, 13:37

Ja, Hafel,

großväterlicher Revanchismus im 3. Jahrtausend macht einen wirklich fassungslos. Ich höre noch den Onkel meiner Frau: "Das geschieht dem Amerikaner ganz Recht!". Die Welt hielt nach Nineeleven den Atem an und da gibt es Menschen, die kochen auf ganz persönlicher Basis ihr giftiges Süppchen. Es ist zum Verzweifeln.

Am schlimmsten empfinde ich die politischen Ultras, die, fern jeder Realität, glauben, daß sie allein vom Baum der Erkenntnis gegessen haben und wissen was Gut und Böse ist. Sie sind reine Destruktoren, rücksichtslos in ihrer Demagogie und haben nur das Niedermachen von Andersdenkenden im Auge.
Und die ewigen Weltverbesserer fallen auf sie herein, reden ihnen das Wort und fühlen sich bestätigt, weil sie bei den Destruktoren Antworten sehen, die sie selber nicht finden können.

Man könnte in den Wald rennen und gegen Bäume treten, bei all dem politischen Masochismus, der einem eingeredet werden soll, allerdings von Leuten, die glauben, auf der sicheren Seite zu stehen, sollten ihre Wünsche eines Tages in Erfüllung gehen. Für mich ist das ein Opportunismus der besonderen Art.

Nineeleven ist vielleich die letzte Warnung gewesen vor dem, was noch kommen kann. Obama hat im Juni 2009 in Kairo eine Linie gezogen und ist einen Schritt zurückgetreten. Er hat Fehler zugegeben und deutlich gemacht, daß er einen Neuanfang sucht. Außer ein paar kleinen, verbalen Strohfeuern kam bis heute keine Reaktion und ich habe nicht den Eindruck, daß die von Obama gezogene Linie und das Angebot für einen Neuanfang von Verantwortlichen der islamischen Welt beachtet wird, von den islamistischen Hardlinern ganz zu schweigen.

Der islamistische Terror kann Obamas Schritt zurück auch als Schwäche sehen und ihn als Herausforderung für neue Gewalt nehmen. In diesem Sinn bedeutet weiteres Nachgeben des Westens eher einen Schritt zu mehr Gewalt als zu einer Lösung des Konfliktes.

--

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Re: eleven nine - eine nachbetrachtung

Neuer Beitragvon Miriam » Sa 12. Sep 2009, 14:00

Für mich rückt wieder mal wenn ich manches lese, das Skurille in der Vordergrund. K. beschuldigt mich die Tote unterschiedlich zu zählen je nachdem auf welcher Seite die Opfer sich befinden.

Nun ist es so: ich habe nie eine deutsche Schule besucht, vielleicht ist dies der Grund, dass ich mich bei den Nuancen der Sprache mehr aufhalte als andere. Ich sagte irgendwann (oder auch wiederholt), dass die Opfer auf palästinensischer Seite auch als Folge der Rakettenangriffe oder der Terroranschläge auf Israel betrachtet werden sollten. Daraus wurde "folgerichtig" von K. gemacht und mir diese Aussage untergejubelt.

Bin (distanziert) neugierig was da noch folgt.

Ich erwähne das Ganze weil es mir bezeichnend erscheint für eine gewisse Tendenz die sich bemerkbar macht.

Gruß von Miriam
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Re: eleven nine - eine nachbetrachtung

Neuer Beitragvon plumpudding » Sa 12. Sep 2009, 14:09

nein, nein hafel, so seh ich den satz nicht. es ist für mich ganz einfach das resultat darauf, dass die usa nie und nimmer damit gerechnet haben, das auch bomben (flugzeuge) bei ihnen hageln könnten. das hat für mich nichts damit zu tun, dass bei diesem angriff viele, viele menschen ums leben kamen, es hat etwas mit der arroganz der militärischen usa-regierung zu tun.

ob obama in der lage ist, das ruder rumzureissen, wage ich zu bezweifeln.

die frage nach den krokodilstränen finde ich genauso daneben, wie die „unterstellung“ an einer andere userin „du lügst hanebüchen“ und das nur, weil die eigene meinung nicht als dass mass aller dinger angesehen wird?

das diese misverständnisse auftauchen, ist die logische schlussfolgerung davon, dass fragen nicht mehr gestellt werden können und die eigene meinung nicht mehr akzeptiert wird.
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Re: eleven nine - eine nachbetrachtung

Neuer Beitragvon Donaldd » Sa 12. Sep 2009, 14:25

@plum
das gefühl der Unverwundbarkeit ist d.h. war im falle der USA keine Frage der Arroganz des Militärs sondern allenfalls eine geografische.
Den ersten Knick gabs durch die Interkontinentalraketen und die Atom-Uboote. Dieser Bedrohung konnte man mit entsprechender Gegenbedrohung begegnen
(Stichworte. Gleichgewicht des Schreckens bzw. Abschreckung). Wie empfindlich die USA reagiert, wenn dieses Gefühl der Unverwundbarkeit schwindet, hat doch bereits die Kubakrise mehr als deutlich gemacht.

Die harte, mehr irrational begründete Reaktion, war daher vorhersehbar.

Was Hafel und mich betroffen macht, ist nicht die bekundete Schadenfreude. Davon gibts ja unendlich viele Zeitgenossen. Betroffen macht uns der ZEITPUNKT, nähmlich angesichts der augenblicklichen Situation und der Bilder des Schreckens.

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Re: eleven nine - eine nachbetrachtung

Neuer Beitragvon plumpudding » Sa 12. Sep 2009, 14:32

da gebe ich euch beiden recht.
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