Frühlingsanfang

Frühlingsanfang

Neuer Beitragvon angel » Mo 21. Mär 2011, 12:52

Heute am 21. März ist nicht nur "offizieller" Frühlingsanfang sondern auch der internationale Tag der Poesie -
was liegt da näher, als ein paar Frühlingsgedichte zu sammeln? Ihr dürft gerne mitmachen

f1.jpg
Frühling


Alle Birken grünen in Moor und Heid'

Alle Birken grünen in Moor und Heid';
Jeder Brambusch 1) leuchtet wie Gold.
Alle Heidlerchen jubeln vor Fröhlichkeit;
Jeder Birkhahn kollert und tollt.

Meine Augen gehen wohl hin, wohl her
Auf dem schwarzen, weißflockigen Moor,
Auf dem braunen, grünschimmernden Heidemeer,
Und steigen zum Himmel empor.

Zum Blauhimmel hin, wo ein Wölklein zieht,
Wie ein Wollgrasflöckchen, so leicht;
Und mein Herz, es singt ein leises Lied,
Das auf zum Himmel steigt;

Ein leises Lied, ein stilles Lied,
Ein Lied so fein und so lind
Wie ein Wölklein, das über die Bläue zieht,
Wie ein Wollgrasflöckchen im Wind.
(Hermann Löns)

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Frühlingslied

Die Luft ist blau, das Tal ist grün,
die kleinen Maienglocken blühn
und Schlüsselblumen drunter;
der Wiesengrund ist schon so bunt
und malt sich täglich bunter.

Drum komme, wem der Mai gefällt,
und freue sich der schönen Welt
und Gottes Vatergüte,
die diese Pracht hervorgebracht,
den Baum und seine Blüte.
(Ludwig Hölty)

****************************

März

Es ist ein Schnee gefallen,
Denn es ist noch nicht Zeit,
Dass von den Blümlein allen,
Dass von den Blümlein allen
Wir werden hoch erfreut.

Der Sonnenblick betrüget
Mit mildem, falschem Schein,
Die Schwalbe selber lüget,
Die Schwalbe selber lüget,
Warum? Sie kommt allein.

Sollt ich mich einzeln freuen,
Wenn auch der Frühling nah?
Doch kommen wir zu zweien,
Doch kommen wir zu zweien,
Gleich ist der Sommer da.
(Johann Wolfgang von Goethe)

***********************************

Vorfrühling

Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.

Er hat sich gewiegt,
Wo Weinen war,
Und hat sich geschmiegt
In zerrüttetes Haar.

Er schüttelte nieder
Akazienblüten
Und kühlte die Glieder,
Die atmend glühten.

Lippen im Lachen
Hat er berührt,
Die weichen und wachen
Fluren durchspürt.

Er glitt durch die Flöte
Als schluchzender Schrei,
An dämmernder Röte
Flog er vorbei.

Er flog mit Schweigen
Durch flüsternde Zimmer
Und löschte im Neigen
Der Ampel Schimmer.

Es läuft der Frühlingswind
Durch kahle Alleen,
Seltsame Dinge sind
In seinem Wehn.

Durch die glatten
Kahlen Alleen
Treibt sein Wehn
Blasse Schatten.

Und den Duft,
Den er gebracht,
Von wo er gekommen
Seit gestern Nacht.
(Hugo von Hofmannsthal)
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Re: Frühlingsanfang

Neuer Beitragvon zuckerschnute » Mo 21. Mär 2011, 12:58

spürst du die laue Luft,
die sanft streichelnd dich umfängt
riechst du den zarten Duft der Erde,
die aus der Winterstarre drängt
und spürst du das leise Beben tief unter dir
wie alles sich regt und strebt nach Licht, voll Gier
und hörst du das leise Murmeln des Bachs
der rasch vom Eis sich jetzt befreit

dann weißt du - nun ist der Frühling nicht mehr weit

© zuckerschnute
Wenn nicht jetzt - wann dann!
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Re: Frühlingsanfang

Neuer Beitragvon angel » Mo 21. Mär 2011, 13:10

..eigenes ist noch schöner..danke!



Er ist's
f2.jpg
f2.jpg (27.85 KiB) 1685-mal betrachtet


Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!

**************

Dunkel war alles
und Nacht.
In der Erde tief
die Zwiebel schlief,
die braune.
Was ist das für ein Gemunkel,
was ist das für ein Geraune?,
dachte die Zwiebel,
plötzlich erwacht.
Was singen die Vögel da droben
und jauchzen und toben?
Von Neugier gepackt,
hat die Zwiebel einen langen Hals gemacht
und um sich geblickt
mit einem hübschen Tulpengesicht.
Da hat ihr der Frühling entgegengelacht.

Josef Guggenmoos


Eduard Mörike
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