Forum ist nicht gleich Forum

Forum ist nicht gleich Forum

Neuer Beitragvon Ruth » So 23. Jan 2011, 13:56

Jetzt habe ich es endlich herausgefunden wie es geht, ein Forum wirklich interessant, beliebt und belebt (bzw. beleibt) zu machen. Es liegt schlicht und ergreifend einfach an den Themen, am Geschmack des Publikums, an den allerdings nicht die höchsten Anforderungen gestellt werden dürfen.
Wie ich bei meinem Studium im Internet bemerkte, ist ganz offensichtlich überwiegend mit ernsten und Meinungen fordernden Gesprächen, kein Blumentopp zu gewinnen. Beteiligt wird sich zwar in den meisten Fällen zahlreich, aber nicht lange in logischer, objektiver Form. Schnell gleitet das Niveau in Angriffslust (oder noch schlimmer) ab - wenngleich die Anzahl der Antworten enorm steigt. Fazit: Forum gilt aufgrund der Aufblähung als massgeblich, für den um An- und Aufsehen Bemühten wird die Möglichkeit der Teilnahme zum Muss.

Noch schneller wächst ein Thema aus der Bedeutungslosigkeit heraus zum Gipfel der Beteiligung, wenn es möglichst doof, primitiv oder auf Schwachseiten von Prominenz ausgerichtet ist. Wahrheitsgehalt ist unmassgeblich und besondere Chancen auf unterhaltsame Bosheit besteht. wenn sich einer erdreistet, Dinge anzusprechen, die nicht sein können, weil man sie nicht lesen will.

Wird also ein Forum an seiner Mitgliederzahl und Thematik gemessen, dann können wir hier im SDC wohl nicht so richtig mithalten. Allerdings stellt sich dann die Frage: wollen wir das eigentlich?

Ich ( und ich kann diese Frage nur aus meiner Sicht beantworten) will das nicht. Natürlich wäre es schön, wenn wir zahlreiche Diskutanten verzeichnen könnten, die Wert und Bedeutung unseres Forums steigern und halten, nicht sofort beleidigt das Handtuch werfen, weil irgendwas nicht der jeweiligen Ansicht entspricht, sondern daran mitwirken, ein Podium zu beleben, das den Voraussetzungen für ein anzuerkennendes Gremium gerecht wird und dadurch an Akzeptant gewinnt.
Leider sind diese Leute doch eher rar.

Ruth, die daran zweifelt, dass dieser Beitrag unter den Begriff "Satire" gehört. :?
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Re: Forum ist nicht gleich Forum

Neuer Beitragvon angel » So 23. Jan 2011, 15:59

Liebe Ruth, Meisterin der Wortweberei,,, das passt ganz wunderbar hier unter die Satire, denn wie sollte man über Anspruch und Ernsthaftigkeit in Foren besser äussern als durch Satire?
Deine Beobachtungen decken sich mit meinen, denn auch ich stelle immer wieder fest, dass der Mensch (ich eingeschlossen) sich immer dann lächerlich macht, wenn er besonders ernst genommen werden will und Ansprüche stellt - an sich und vor allem an andere. Wenn man manchmal liest, welch hochtrabenden Bücher - und ausschliesslich solche - manche Foristen vorgeben zu lesen oder mit welchen "Diskussionsthemen" da versucht wird, eine bestimmte Geisteshaltung seiner selbst zu signalisieren, ist schon merkwürdig und wird dann eben genau da lächerlich, wo diese Leute versuchen, sich "niveauvoll" von anderen abzuheben. Wir hatten so etwas hier im Forum mal, ich glaube da ging es um Kammermusik -achja, verzückt jubelten einige dann gleich, wie grossartig doch Kammermusik sei und meinte, sich allein schon dadurch, von der "breiten Masse" abzuheben ... ganz, ganz furchtbar - aber wenn man es satirisch betrachtet, eben auch zum Lachen ...

Man muss sich nur immer vor Augen halten, dass das Wort "Kulturbeutel" eine DEUTSCHE Wortschöpfung ist - ja, und sie wird arg gebeutelt, die Kultur .. besonders von denen, die herumtönen, sie würde ja ach so viel davon besitzen :-)))
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Re: Forum ist nicht gleich Forum

Neuer Beitragvon marie » So 23. Jan 2011, 17:57

Ruth hat geschrieben:Jetzt habe ich es endlich herausgefunden wie es geht, ein Forum wirklich interessant, beliebt und belebt (bzw. beleibt)


Wird also ein Forum an seiner Mitgliederzahl und Thematik gemessen, dann können wir hier im SDC wohl nicht so richtig mithalten. Allerdings stellt sich dann die Frage: wollen wir das eigentlich?
Also ich hätte gerne ein lebhaftes, interessantes Forum. Wo ich nach Zeit und Laune mitschreiben kann, aber nicht muss, weil ers genügend andere gibt, die das mit Bravour erledigen.
Aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Wie Du schon schriebst, ist Masse in der Regel der Tod der Klasse.
Es trifft nämlich zu, dass Themen nicht endlos ausgelutscht werden können. Einmal ist eben alles gesagt. Wenn es dann weiterläuft, dann wegen der Masse, die noch unbedingt ihre überflüssigen, daneben liegenden und/oder boshaften Kommentare angeben möchte, liebend gern im Rudel, denn da jagt es sich so schön ungefährdet.... Da genau das Quoten, also Klicks und damit Werbeeinnahmen bringt, wird in werbefinanzierten Foren der Oberguru einen Teufel tun und allzu moderierend einwirken. Es sei denn, das Forum ist ideologisch eingefärbt. Dann wird schon mal ein Thema geschlossen oder ein Meinungskontrahent gesperrt. Das hat aber nichts mit Qualitätskontrolle zu tun, im Gegenteil. Denn die aggressiven und boshaften Beiträge bleiben weitgehend ungeahndet, weil das eben die Leserschaft und damit Einnahmen bringt. Wie im realen Fernsehleben....


Ich ( und ich kann diese Frage nur aus meiner Sicht beantworten) will das nicht. Natürlich wäre es schön, wenn wir zahlreiche Diskutanten verzeichnen könnten, die Wert und Bedeutung unseres Forums steigern und halten, nicht sofort beleidigt das Handtuch werfen, weil irgendwas nicht der jeweiligen Ansicht entspricht, sondern daran mitwirken, ein Podium zu beleben, das den Voraussetzungen für ein anzuerkennendes Gremium gerecht wird und dadurch an Akzeptant gewinnt.
Leider sind diese Leute doch eher rar.

Ja, das Forenleben selbst in einem kleinen, meiner Meinung nach aber schon vom Ton her qualitätsvollen, Forum ist schwer...

Es sind und bleiben Menschen, die schreiben, sich möglicherweise mißverständlich ausdrücken und mißverstanden werden, die Reaktionen nicht deuten (können), weil-es wird immer wieder gesagt und bleibt immer richtig- man zur richtigen Übermittlung seiner Gedanken im wahren Leben die Mimik hat, was den Beiträgen mangelt trotz aller Smilies.
Es sind Menschen, die auf den Ton und die Darstellung des einen oder anderen negativ abfahren.

Jeder hat andere Vorstellungen von einem Forum.
Ich persönlich möchte gerne in sachlicher Atmosphäre mich bewegende Themen diskutieren, wozu auch eine Auseinandersetzung mit der jeweilig anderen Meinung gehört, freundlich aber eben eine Auseinandersetzung. Was heißt, dass man Farbe bekennt, also auch mal ablehnt. Und ruhig darüber spricht.

Ruth, die daran zweifelt, dass dieser Beitrag unter den Begriff "Satire" gehört. :?
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Re: Forum ist nicht gleich Forum

Neuer Beitragvon Ruth » So 23. Jan 2011, 20:03

marie, Deine Ausführungen treffen voll zu und machen deutlich, dass auch bei Foren das gilt, was man bei den Printmedien schon lange weiss. Eine seriöse Tageszeitung wird sich schwerer bei Leserzuwachs und Inseratenwerbung tun als ein reisserisches Boulevardblatt, dessen Aufmachung und Berichterstattung einer breiten Masse zusagt.

Wie aber auch bei einer ernstzunehmenden Zeitung kann auch ein um Gehalt bemühtes Forum nur bestehen und wachsen, wenn es Menschen mit einer gewissen Lebenseinstellung überzeugen und dafür gewinnen kann, sich in die Gestaltung einzubringen. Nun aber"menscherlet" es überall, die Sensibilität ist gross und manch einer fühlt sich ebenso schnell wie unangebracht verletzt, wenn ein Wort geäussert wird, das allzu persönlich aufgenommen wird.
Es ist wie Du sagst: die Mimik fehlt und gibt zu Missverständnissen Anlass, aber trotzdem solllten erwachsene Menschen sich darum bemühen, den Konsens zu finden und eine Gemeinschaft am Leben erhalten, die es verdient.
Das ist vielleicht graue Theorie aber was mich betrifft, ist eins sicher: ich setze mich lieber mal mit einem Foristen auseinander, von dem ich glaube, dass er mir an den Wagen gefahren ist, als in eine Massenveranstaltung einzutauchen, die oftmals nur peinlich berührt.

Gruss
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Re: Forum ist nicht gleich Forum

Neuer Beitragvon Mia » So 23. Jan 2011, 23:09

Wie oft muss ich auch meinen Senf dazu geben.

Ich hatte ein Forum, das den Namen "Neues Denkerforum" trug. Ich wollte ein ernstes Forum haben, dass sich nur mit ernsten Themen befasst. Dieses Forum lag mir sehr am Herzen. Es klappte leider nicht. Die ernstesten Themen wurde ins Lächerliche verkehrt. Da gab ich das Forum auf. Mein neues kleines Forum ist dagegen nur ein Plauschforum ohne großen geistigen Anspruch. Dort steht sehr viel aus dem Privatleben der Mitglieder. Deshalb werde ich das Forum niemals der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Ich lese hier gerne Eure Beiträge, wenn ich auch nicht auf alles eingehe, denn ALLES kann man ja nun nicht wissen.

Ich schreibe gerne was im Tagebuch. Nicht geistig unbedingt anspruchsvoll, aber ehrlich und auf dem Boden der Tatsachen bleibend. Quasi wie die Stimme des Volkes. Es macht mir nichts aus, dort auch persönliche Dinge zu schreiben. Finde sogar, dass die Schreiber und Schreiberinnen in dem Strang viele Gemeinsamkeiten haben.

Zu weit würde es führen, wenn ich alles schriebe, womit ich mich sonst noch in meiner Freizeit beschäftige. Haushalt und Katzen füllen natürlich nicht mein ganzes Leben aus. So wie es auch bei Euch ist. Wäre es so, wäre ich einen "hohle Fritte" , um es mal NEUDEUTSCH auszudrücken.

So habe ich in meinem Leben Unmengen an Büchern gelesen. Darüber kann ich allerdings nur wenig schreiben, denn durch das Aufwachsen im anderen Teil Deutschlands war es einfach eine andere Literatur. Erst in den letzten Jahren fange ich an, sogenannte "westliche" Literatur zu lesen. Manches ist gut, vieles entspricht nicht meinem Geschmack. Grass empfinde ich beispielsweise nicht so, wie er verkauft wird. Lenz dagegen ist ein Meister schönen Ausdruckes.

In Foren ist es so wie im Leben. Ich erlebe es täglich im Arbeitsumfeld. Einer will schlauer sein als der andere. Man darf nur nicht tiefer graben.

Unstrittig ist, dass es Menschen gibt, die wirklich allumfassend gebildet sind. Sprechen mehrere Sprachen und haben auch in anderen Ländern dieser Welt gelebt. Sie haben wirklich was zu erzählen. Die Masse ist es jedoch nicht.

Foren sind ein Abbild des realen Lebens. Mit Vernunft, Unvernunft, Eitelkeiten, Gehässigkeiten, Gefälligkeiten usw.

Und ich? Ich bleibe mir selber treu und will nichts vorstellen, was ich nicht bin.

Mia
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Nichts fesselt die Gemüter mehr, als der rechte Gebrauch der Muttersprache.
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